Vom Winde verweht – by Jonas Hillebrands

Vom Winde verweht!

Es war endlich wieder soweit!

Saschas und mein Fr├╝hsommer-Trip stand in den Startl├Âchern und die wochenlange Planung und Organisation nahm ein j├Ąhes Ende. Nun musste das Tackle wie gewohnt in den Caddy Maxi geladen werden. Die ├╝blich, gewohnten Handgriffe und in 30 Minuten war alles im Auto verstaut. Doch irgendwie sah der Caddy zu ÔÇ×getunedÔÇť aus!

Ein kurzer Blick sp├Ąter best├Ątigte dann die kurz zuvor auftauchende Vermutung! Der Wagen war v├Âllig ├╝berladen und aus unserer Sicht auch nicht wirklich fahrbar. Es h├Ątte mit Sicherheit Einige gegeben, die es probiert h├Ątten, aber wir hatten diesmal bereits noch vor der Abfahrt das erste gr├Â├čere Problem.

Nun gut, der Caddy ist ja nicht das einzige Auto, welches wir nutzen konnten. Also kam das ganze Tackle und Futter f├╝r zwei Wochen einfach in meinen Transit und es wurde flei├čig umgepackt. Ich glaube, da wir in meinem Transit Custom nicht wirklich flei├čig sortieren mussten, war diesmal alles in knapp 15 Minuten verstaut und die Fahrt von knapp 1200 Kilometer konnte losgehen.

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├ťbrigens, es dauerte keine f├╝nf Kilometer auf unser geliebten A3 und der erste Stau kam auf uns zu. Mies, aber doch herzlich egal, bei zwei Wochen Sonne, Fisch und jeder Menge Spa├č. So nun die Theorie!

Die Fahrt gestaltete sich sehr angenehm und nach ungef├Ąhr 15 Stunden Fahrt inklusive kleinem Nickerchen kamen wir am roten See an, unserem ersten Ziel dieser Tour. Wir hatten das Wetter in den vorhergegangenen Wochen genau beobachtet und entschieden uns f├╝r einen Platz am s├╝dlichen Teil des Sees, da der Wind bereits seit mehreren Tagen konstant auf das dortige Ufer schlug. Da wir beide nicht wirklich oft an diesem See gastierten, entschieden wir uns f├╝r mehrere Vorgehensweisen.

Thomas hatte uns im Vorfeld frisch abgerollte White Balls, Fish Blood and Hot und Ciric Milk in Kissen-Form abgedreht und diese kamen nun frisch gesoakt zum Einsatz. Wer mich ein wenig kennt, der wei├č, wie gerne ich diese Form der K├Âder f├╝ttere und auch fische. Die dazugeh├Ârigen Wafter in unserer Range runden das Paket bestens ab und sind in Kombination wirklich unschlagbar.

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Nach l├Ąngeren Beratschlagungen bei viel Kaffee und gutem Essen bemerkten wir, dass das Wetter sich zu ├Ąndern schien. Eine dichte Wolkendecke zog auf und wir checkten die verschiedenen Wetter-Apps, um vorbereitet zu sein. Schlie├člich lagen unsere Montagen noch nicht und zunehmender Wind war, neben eher baldigem Sonnenschein auch angesagt.

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Also beeilten wir uns, ohne gro├čen Stress ausbrechen zu lassen. Wir legten in ziemlich mittigem Part unserer Stellen einen Futterplatz an, bestehend aus 25 Kilogramm White Balls und Fish Blood and Hot. Diesen wollten wir nach 2 Tagen das erste Mal angehen. Jeder mit einer Rute am Rande des Platzes. Also war uns klar, dass die F├╝tterung nach Hinten verschoben werden musste. Es wurde von Minute zu Minute windiger und wir beide begonnen, die Ruten wie vorher besprochen zu legen.

Bereits kurz nach unserer Ankunft konnten wir den ein oder anderen Fisch im Kraut springen sehen. Hier wurden dann auch prim├Ąr die meisten Ruten von beiden abgelegt, bestehend aus gro├čen PVA S├Ącken inklusive duftendem Crunch der Ranges.

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Mittlerweile, nach einer knappen Stunde wurde der Wind einfach zu extrem und die letzten beiden Ruten wurden von uns geworfen. Nicht wirklich schlimm, da die Fische tats├Ąchlich nicht weit drau├čen, im dichten Kraut standen. Wir sahen w├Ąhrend wir die Ruten raus fuhren mehrere Fische ufernah im Kraut stehen. Es waren alles eher kleinere Fische, aber trotzdem ein guter Identifikator.

Au├čerdem musste ich noch Revanche mit der roten Erde nehmen, egal wie, blankte ich ├╝ber Silvester 2018/2019 noch in das neue Jahr.

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Nach nun knappen 10 Stunden Aufenthalt und der langen Fahrt zogen wir uns bei einbrechender Dunkelheit in unsere Zelte zur├╝ck. Wirklich m├╝de waren wir beide eigentlich nicht wirklich nur der anhaltende, frontale Wind Z├Ąhrte bereits nach Stunden des Angelns. Wir beschwerten uns dar├╝ber aber keinesfalls, schlie├člich war dies das Wetter, wovon wir uns das meiste erhofften. Die Nacht ├╝ber blieb es komplett ruhig was die Fischaktivit├Ąt anging. Gegen 3 Uhr nachts hatte ich noch die Sensibilit├Ąt der Bissanzeiger herunter gestellt, da der Wind wie verr├╝ckt gegen das komplette Set-Up dr├╝ckte.

Bei Sascha meldeten sich die Bissanzeiger auch immer mal wieder, wie ich im Halbschlaf vernehmen konnte. Aber gegen 8 Uhr morgens war der Schnurabzug bei Saschas linker Rute nicht mehr vom Winde verweht. Der Fisch eskalierte am anderen Ende v├Âlligst, sowohl bei dem heftigen Biss, als auch beim darauffolgenden Drill. Nach einiger Zeit lag ein sehr sch├Âner Spiegler im Kescher und Sascha war bereits nach der ersten Nacht nicht mehr blank. Ein super Einstieg in die noch restlichen 13 Tage der Tour!

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Gl├╝cklicherweise beruhigte sich der Wind auch etwas, sodass es zumindest wieder m├Âglich war mit dem Boot das Wasser zu befahren. Aber dies war zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht von N├Âten, au├čer bei der Rute, welchen den Fisch brachte.

Diese lag auch direkt wieder am neuen Platz inklusive einem s├╝├člich duftendem Ciric Milk Glugged Hookbait in 20mm. Sascha vertraute auf diese Hookbaits, da hier die perfekte Kombination aus einer gewissen H├Ąrte und Attraktivit├Ąt herrscht. Auch sollte immer der Krebsbestand bedacht werden, wo auch diese K├Âder bestens geeignet sind.

Wir genossen nach dem ersten Fisch ausgeschlafen ein leckeres Fr├╝hst├╝ck und hielten einige Momente inne, da der See aus unserem Platz aus einfach nur fantastisch aussah. Das Wetter sollte gegen Nachmittag wieder windiger werden, also beschlossen wir nun endlich unseren Schirm abzubauen. Diesen stellten wir auf um eigentlich genau solche Situationen zu vermeiden, dass jeder bei aufkommendem schlechten Wetter in sein eigenes Zelt verschwindet. Der Wind lies uns aber keine andere Wahl, sonst w├Ąre dieser einfach nach kurzer Zeit weg gewesen!

Gegen Nachmittag meldete sich dann wieder eine Rute bei Sascha, diesmal wurde ein anderer Spot ber├Ąubert und der Fisch hing. An einen Bootsdrill war zu dieser Zeit nicht zu denken, da die Wellen extremst waren!

Und genau zu diesem Zeitpunkt, als wir uns zu 100% auf Saschas Fisch konzentrierten, l├Âste sich die Verankerung von meinem Boot. Es wurde zum Gl├╝ck nur angesp├╝lt, wir hatten ja auflandigen Wind. Was solch ein Wind aber f├╝r Wellen entstehen lassen kann, hatte uns beide dann nach erfolgreichem Drill alt aussehen lassen! Ich bemerkte sp├Ąter, dass das Seil des Ankers aus irgendeinem Grund gerissen war. Gl├╝ck im Ungl├╝ck, auch wenn es die Rettungsweste nicht ├╝berlebt hatte.

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Bereits am vierten Tag angekommen, konnten wir leider nicht wirklich erfolgreiche Nachrichten in die Heimat senden. Wir standen mittlerweile bei drei Fischen, da ich meinen Ersten auch fangen konnte, es lief aber nicht so wie wir es uns erwartet h├Ątten. Der Wind stand nun den vierten Tag mit extremen Geschwindigkeiten auf uns und raubte und die letzten Nerven!

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Trotzdem behielten wir diese und vereinbarten uns darauf, dem Futterplatz noch zwei weitere N├Ąchte zu geben. Zu diesem Zeitpunkt angelten wir knapp 48 Stunden mit zwei Ruten darauf. Die Fische bis dato kamen alle von verschiedenen Spots mit wenig Futter. Als wir an diesem Tage gegen Nachmittag die Bolognese k├Âchelten lie├čen, liefen innerhalb von nur wenigen Stunden drei Ruten von uns ab! Wir konnten alle Fische fangen, die bis knapp 16 Kilogramm schwer waren. Auff├Ąllig war, dass die sechs Fische allesamt Spiegler waren, wof├╝r der Salagou ja eher nicht bekannt ist.

Abermals waren es Spots, die vorher noch nicht produktiv waren. Nun waren von acht Ruten insgesamt sechs St├╝ck abgelaufen. Es kann um einiges schlechter laufen!

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Gegen Abend verrieten dann die Wetter Apps ein komplett ver├Ąndertes Bild ab dem folgenden Tag! Keinerlei Wind mehr und Temperaturen von knapp 30 Grad. Im Vergleich, wir hatten zuvor knapp ├╝ber 20 Grad und sehr viel Wind. Also keine so wirklich tollen Bedingungen. Wir wollten es dennoch versuchen und hatten nach wie vor Hoffnungen in den Futterplatz. Allerdings beschlossen wir, dass wir das Zeitfenster von 48 auf 24 Stunden reduzieren wollten.

Nicht lange drum herumgeredet, standen wir 24 Stunden sp├Ąter an den gepackten Booten, bereit zum Auto zu fahren, es sollte unsere zweite Wahl angefahren werden! Es passt einfach nicht mehr viel zusammen, es sollte noch hei├čer werden und es herrschte aktuell schon kaum noch ein Luftaustausch.

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Alles ging bei uns beiden wie immer relativ schnell und keine Stunde sp├Ąter machten wir uns auf den 120 Kilometer langen Weg zum See. Dort angekommen fuhren wir die insgesamt drei verschiedenen Nachtangelzonen ab um nach den Pl├Ątzen zu sehen und um dann zu entscheiden.

Wir brauchten allerdings nichts entscheiden, war wirklich jede Zone gespickt mit Anglern. Hier wollten wir nicht bleiben und fuhren direkt weitere 60 Kilometer!

60 Kilometer h├Âren sich nicht wirklich viel an, wenn man diese jedoch im S├╝den Frankreichs ├╝ber die verschiedensten D-Stra├čen bew├Ąltigen muss, kann das echt verdammt lange dauern und die ein oder andere Ader zum Anschwellen zwingen!

Nun gut, nach ├╝ber 1,5 Stunden f├╝r 60 Kilometer kamen wir am Gew├Ąsser an und zu unserer Verwunderung war dort wirklich kein einziger Karpfenangler zu sehen. Wir waren im Vorhinein eher skeptisch, da dieser See seit geraumer Zeit von vielen Karpfenanglern besucht wird. Trotzdem wollte ich dort immer einmal angeln, da ich den See bereits drei Mal vorher angefahren hatte und nie auch nur eine Chance gehabt hatte auf einen der Pl├Ątze. Jetzt denkt bestimmt jeder, dass man dann auch normalerweise kein 4. Mal hinfahren sollte aber irgendetwas reizte mich zu sehr. Umso sch├Âner war es nun, dass wir uns einen Platz komplett frei w├Ąhlen durften.

Wir platzierten uns auf einer strategisch ganz gut liegenden Spitze, wo wir einen gro├čen Angelraum an dem 350ha gro├čen See zur Verf├╝gung hatten. Nach dem schnellen Aufbau des Camps wurden die m├Âglichen Pl├Ątze erkundschaftet und die Ruten auch relativ z├╝gig gelegt. Struktur war reichlich an diesem See vorhanden, wir versuchten es im ersten Schritt ├Ąhnlich wie am Salagou an Krautfeldern, abfallenden Kanten und unter Wasser stehenden Weiden.

Insgesamt blieben uns noch einige Tage Zeit, die Idee von dem Futterplatz verwarfen wir hier allerdings, da dies von der Bodenstruktur schon gar nicht so einfach gewesen w├Ąre. Zus├Ątzlich sollte das Wetter in den kommenden Tagen sehr wechselhaft sein, weswegen wir uns f├╝r die typischen Fallen entschieden und so mit gutem Gef├╝hl in die erste Nacht gingen.

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Auch bereits in der ersten Nacht konnten wir Erfolge verbuchen! Die Gewichte der Fische stiegen auch von Biss zu Biss, was sich sp├Ąter herausstellte. Wir schienen richtig zu sitzen um nochmal die Fangb├╝cher zu f├╝llen!

Das Feedback der Fische kam auf jeden Fall und so rieben wir uns vor Vorfreude auf das was noch kommen sollte, die H├Ąnde. Gerade einer meiner Spots brachte mir tags├╝ber immer wieder 2-3 Fische. Ich legte meine Rute auf gerade einmal 1,5 Meter Tiefe an ein angrenzendes Krautfeld ab. Ich hatte in meinem restlichen Bereich keinerlei Kraut gefunden, weswegen mir dieser Spot einfach logisch erschien. Und so war es dann auch bis zur Abreise so, dass dieser Spot immer wieder Fische bis ├╝ber 20 Kilogramm brachte.

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Auch Sascha konnte einen dicken Schuppi fangen, der auf einen White Ball Weightless Hookbait herein fiel. Der Drill dieses Fisches und auch der vernarbte Kopf werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Es war einer der Spots die vorher nichts gebracht haben. Relativ monotoner Boden, keine gro├čartigen Kanten oder ├Ąhnliches. Daf├╝r aber ein Spot voll mit Sand, welcher hier kaum vorkommt! Gerade an solch steinigen Stauseen sind Bodenunterschiede, gerade weicher oder eben sandiger Boden immer ein Versuch wert, wie dieser Fisch eindeutig beweist.

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Das Wetter machte im ├ťbrigen was es wollte, mal regnete es den ganzen Tag in Str├Âmen durch, darauf am Tage hatte wir dann mit knapp 30 Grad zu k├Ąmpfen. Ich denke allerdings auch, dass dies ein Grund daf├╝r war, warum wir nicht noch mehr gefangen haben.

Insgesamt fingen wir an dem zweiten Gew├Ąsser knapp 20 Fische, jedoch standen die Anzeichen auf weitaus mehr, was die Ausbeute anging. Wir sahen einfach unfassbar viele Fische und bekamen ja auch die R├╝ckmeldung durch die F├Ąnge. Trotzdem beklagten wir uns dar├╝ber nat├╝rlich nicht, denn wie es ist mit leeren H├Ąnden nach Hause zu fahren, darf nie bei so etwas vergessen werden!

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In diesem Sinne auf die Dicken!

Gr├╝├če Jonas

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