Manchmal ist “planlos” der bessere Plan

Nachdem die Angelsaison 2021 aufgrund der zahlreichen Corona-Einschränkungen auch bei mir recht spät und eher schleppend begann, nahm ich Mitte Mai gern die Einladung eines Freundes zum Fischen an einem privaten Gewässer an. Einen Plan hatte ich mir bewusst nicht zurecht gelegt, vielmehr wollte ich mich von den Gegebenheiten vor Ort inspirieren lassen.
Am See angekommen war mein Freund Uwe schon am Start und gerade dabei sein Camp aufzubauen. Nach kurzer Lagebesprechung bot er mir an, das ich für diese Session seine Plätze übernehmen könnte, da diese wohl so gut wie immer Fisch brachten, und die wohl „besten Plätze“ des Gewässers seien. Aber ganz so einfach wollte ich es mir dann doch nicht machen. Mein Ehrgeiz verlangte schon von mir, das ich mir meine Fische selbst erarbeitete. Aber um ehrlich zu sein, war es mir auch unangenehm, das er zu meinen Gunsten verzichten wollte. So war schnell klar: Uwe befischte seine Stellen und ich würde mir einen eigenen Eindruck vom Gewässer machen, und nach aktiven Fischen Ausschau halten.

Essential Orange-nicht nur die Inhaltsstoffe punkten…auch optisch ein Highlight!

Da es einer der ersten wirklich warmen und sonnigen Tage seit längerer Zeit, und das Wasser für die Jahreszeit noch recht kühl war, zog es mich instinktiv an die in der Sonne gelegenen Ufer. Langsam ließ ich mich auf die potenziellen Spods zutreiben. Dank Poolbrille konnte ich direkt beim ersten Blick ins sonnendurchflutete Wasser die ersten Karpfen in der schräg abfallenden Uferkante ausmachen. Sollte es wirklich so einfach sein? Leise und äußerst vorsichtig ruderte ich am Ufer entlang und konnte zu meiner Überraschung nahezu überall Fische entdecken. Und nicht nur das, sie schienen auch tatsächlich zu Fressen. Für mich stand fest: hier mussten zwei Ruten hin. Zurück am Ufer montierte ich die drei erlaubten Ruten und bestückte zwei Hinged Stiff Riss mit je einem Essential Orange Pop Up in 16 mm. Da die Karpfen ohnehin am Fressen waren, wollte ich auf Futter weitgehend verzichten. Lediglich ein wenig Groundbait, mit reichlich Liquid angerührt, und etwas Bait Paste sollte für zusätzliche Attraktivität im Bereich des Hakenköders sorgen. 5 bis 6 kleine Boilies in der Nähe sollten Vertrauen schaffen. Während ich die erste Rute aufs Pod legte, sagte ich im Spaß zu meinem Freund: „In einer Stunde läuft die Rute ab !“

Essential Orange Groundbait mit Liquid

Aber so lange sollte es gar nicht dauern. Gerade als ich mit der zweiten Rute auf dem Weg zum Platz war, gab es den ersten Dauerton der Session. Schnell die paar Meter zurück zum Ufer. Uwe, der die Rute inzwischen aufgenommen hatte, reichte mir diese und den Kescher ins Boot und schon begann der Drill. Immer wieder spannend diese Momente bis man sieht was da am anderen Ende der Leine zum Vorschein kommt. In diesem Fall ein ordentlicher Schuppi. Na das war ein Anfang nach Maß!

Nachdem die Fische durch die Aktion etwas verschreckt waren, konnte ich nun beide Ruten in Ruhe legen, und hatte auch noch Zeit einen Platz für die dritte Montage zu suchen. Dazu fuhr ich in die zweite Bucht des Sees, die ordentlich von der Sonne erreicht werden konnte. Diese war deutlich kleiner als die Erste. Trotz aller Vorsicht sah ich unterm Boot einige gute Fische aus der Bucht flüchten. Auch hier waren also die Fische der Sonne gefolgt! Auf diesem Spod sollte ein Schneemann aus unserem neuen Viper-Boilie und einem 10mm Mulberry+Pepper Pop Up die Karpfen zum Anbiss verführen. Gefüttert wurde auch hier nur das passende Grundfutter und eine wirklich kleine Menge Boilies. Im Laufe des Nachmittags konnte ich noch zwei weitere Fische auf die Pop Up Ruten fangen. Die Taktik ging also voll auf!

Die Schärfe des Viper und die Süße des Mulberry, für mich ne Top Kombi

Aber auch die Viper-Rute brachte am frühen Abend ihren ersten Fisch. Schon als ich die Rute aufnahm, merkte ich das hier ein anderes Kaliber den Köder genommen hatte. Wie die Fische zuvor wollte ich auch diesen vom Boot aus drillen. Da der See eine überschaubare Größe besaß, hatte ich zum ausbringen der Montagen nur ein kleines 2,10 Meter Schlauchboot in Benutzung, das noch dazu sehr schmal war. Auch auf einen Motor verzichtete ich. Entsprechend mühelos zog mich der Fisch übers Wasser, in gerader Linie in Richtung eines großen überhängenden Gestrüpps. Dem hatte ich nichts entgegen zu setzen, da ich nicht den Druck von der Rute nehmen wollte, konnte ich natürlich nicht Gegenrudern. Ohne Mühe schwamm der Fisch unter die Äste. Aus verschiedenen Winkeln versuchte ich den Fisch aus seinem Unterstand heraus zu bekommen. Bei diesen Bemühungen drehte sich das kleine Boot unkontrolliert in sämtliche Richtungen und schob sich immer weiter zwischen das überhängende Geäst. Quer im Boot sitzend rutschte ich beim Versuch die Rutenspitze von den Ästen fern zu halten immer weiter nach hinten. Als ich mich dann auch noch leicht nach hinten neigte passierte es…. eh ich überhaupt merkte was geschah, geschweige denn ich reagieren konnte, kippte das Boot nach hinten. Bei etwa 15 Grad Wassertemperatur wahrlich ein „Schock-Erlebnis“! Handy, Kescher, Boot und Rute mit 2 Händen festhalten!? Ich weiß nicht wirklich wie, aber es ging irgendwie. Das Handy warf ich auf das verkehrt herum schwimmende Schlauchboot und dann versuchte ich erstmal mich hin zu stellen, da ich ja doch nah am Rand gekentert war. Ich bekam natürlich keinen Boden unter die Füße, wäre ja auch zu einfach gewesen! Also versuchte ich schwimmend mit all meinen Sachen eine flachere Stelle zu erreichen. Gefühlt ging da gar nichts vorwärts. Als ich endlich stehen konnte, war mir Uwe schon zu Fuß am Ufer zu Hilfe gekommen. Ich reichte ihm Handy und Kescher und nahm mit der Rute Kontakt zum Fisch auf. Und tatsächlich, der Fisch war noch da. Also Boot umdrehen, einsteigen, Kescher einladen und wieder zum Fisch der immer noch in dem tiefen Loch unter dem Gebüsch stand. Irgendwie gelang es mir nach einer gefühlten Ewigkeit den Fisch ins offene Wasser zu bringen, wo ich ihn endlich auch keschern konnte. Was für eine Aktion! Aber gelohnt hatte sich das allemal wie ein Blick in den Kescher zeigte. Ein dicker Schuppenkarpfen war das Ergebnis. Inzwischen war es nahezu dunkel geworden. Schnell wurde der Fisch noch versorgt und fotografiert, erst dann schlüpfte ich in trockene Sachen. Selten habe ich mich so über einen Fisch gefreut! Mit der Sonne waren auch die Karpfen verschwunden. Während der Nacht konnten wir keine Aktionen verbuchen.

Kaum erreichten am nächsten Morgen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen die Uferspots, begannen die Ruten wieder abwechselnd zu laufen. Leider sollte dies nicht lange so bleiben. Gegen Mittag änderte sich das Wetter drastisch. Der Himmel zog sich zu, es wurde merklich kühler und schließlich begann es kräftig zu regnen. Während des Regens kamen die Fische so richtig in Fahrt. In weniger als einer Stunde liefen alle 3 Ruten ab, und auch Uwe konnte endlich seinen ersten Karpfen der Session verbuchen. Nach diesem ersten Schauer kamen die Montagen wieder auf ihre Plätze. Allerdings schien sich die Situation unter Wasser mit dieser Abkühlung zu verändern. Innerhalb kurzer Zeit fing ich mehrere Brassen, von den Karpfen allerdings keine Spur mehr. Auch vom Boot aus waren keine Fische mehr zu sehen. Ein Taktikwechsel musste her. Ich tauschte die auffälligen Pop Ups gegen unauffällige Essential Orange Wafter und legte die Ruten deutlich tiefer ca. 2 bis 3 Meter entfernt vom Fuß der Uferkante ab. Auf das feine attraktive Futter verzichtete ich jetzt, um die Brassen nicht gleich wieder auf die neuen Stellen aufmerksam zu machen. Stattdessen verteilte ich um die Montagen eine gute Hand voll Boilies. Auch die Viper-Rute zog ich ein gutes Stück ins tiefere Wasser und änderte die Futtertaktik auf gleiche Weise. Der Strategiewechsel war goldrichtig! Konnte ich doch bis zum Abend noch einige Karpfen auf die Matte legen. Unter ihnen auch einen schönen Twotone-Spiegler.

Aber wie am Vortag, war auch heute, mit Einbruch der Dämmerung keinerlei Fischaktivität mehr zu verzeichnen. Um ehrlich zu sein war ich darüber nicht sehr böse, da es die ganze Nacht hindurch regnete. Und auch die Temperaturen waren ordentlich in den Keller gegangen. Am letzten Morgen der Session gab keiner meiner Bissanzeiger mehr einen Piep von sich, alle meine Ruten lagen wie tot. Dafür kam jetzt endlich Leben in die Ruten von Uwe, und so konnte er in den letzten verbleibenden Stunden gleich mehrere Fische fangen. Die Karpfen hatten sich auf Grund der veränderten Bedingungen völlig anders im See verteilt. Die zu Beginn als Top-Spots bezeichneten Stellen wurden jetzt offensichtlich wieder verstärkt von den Fischen frequentiert.

Als Fazit, und mit mehr als 10 Fischen auf der Haben-Seite, lässt sich sagen, das man auch Gewässer, die man seit Jahren bestens kennt nicht jedes mal stumpf nach „Schema F“ befischen sollte, nur weil dies in der Vergangenheit schon so oft funktioniert hat. Viel mehr muss man immer wieder auf die aktuellen Gegebenheiten und Bedingungen reagieren. Ein fester, schon zu Hause aufgestellter Plan hilft uns dabei sicher nicht. Ich denke, ganz im Gegenteil, wird man so viel zu oft an den Fischen vorbei angeln. Um es mal mit Uwes Worten zu sagen: „Eigentlich wäre ich mit 4 Fischen in nur 2 Tagen Top zufrieden gewesen!“ Ja „eigentlich“… Aber der unterschiedliche Blick auf die Dinge hat auch ihm gezeigt, dass da noch deutlich mehr gehen kann, wenn man sein tun öfter mal hinterfragt und entsprechend anpasst. Und genau das ist für mich das schönste am gemeinsamen Fischen mit Freunden, man bekommt jedes mal neue Inputs und andere Blickwinkel auf die am Ende doch immer wieder gleichen Dinge!
Mit einem Schmunzeln sei noch das Wichtigste angemerkt, das ich bei dieser Session gelernt habe:
„Kleine schmale Boote sind zum drillen großer Fische ungeeignet!“

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