Ein Erfahrungsbericht über die Herausforderungen des Karpfenangeln in den Sommermonaten. Heiße Phase oder Sommerloch?

Zweifellos ist der Sommer für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Das gilt gleichermaßen auch für viele Angler und dabei möchte ich erst mal von uns Anglern als Gesamtheit sprechen. Eigentlich ist es auch nicht verwunderlich, dass es im Sommer viele Angler ans Wasser zieht. Denn zu dieser Jahreszeit sind nahezu alle Fische von Schonzeiten ausgenommen und die langen, warmen Tage laden einfach dazu ein, die Natur am Wasser zu genießen. In unserer schnelllebigen und arbeitsintensiven Welt, ist für viele ein entspanntes Angeln auch nur in den Ferien- / Urlaubszeiten erfüllend und ein Blick in diverse Buchungskalender von kommerziell bewirtschafteten Gewässern bestätigt diese These. Wer sich auch abseits des Wassers mit der Materie des Karpfenangelns auseinandersetzt, der konsumiert zwangsläufig das Wissen der gesamten Karpfenanglerszene. Sei es durch Social Media Beiträge, Podcasts, VLogs oder Web Portale, früher oder später stolpert man über Beiträge zum Thema zähes Sommerangeln bzw. Sommerloch. Dabei sind die Wetterbedingungen, die Wahl des Futters, die passende Taktik und erfolgversprechende Angelmethoden nahezu immer im Fokus. Wer dieses Wissen aufsaugt und auf seine eigene Fischerei anwendet, der wird im Laufe der Zeit auch bei schwierigen Bedingungen den ein oder anderen Bonusfisch landen können. Selbst ohne dieses Schwarmwissen und nur durch die eigene Erfahrung erlernt, lässt sich schnell feststellen, dass das Karpfenangeln im Sommer nicht nur Annehmlichkeiten, sondern auch etliche Herausforderungen mit sich bringt.

Basierend auf meine Erfahrungen und dem über die Jahre Erlernten haben für mich die folgenden Faktoren maßgeblichen Einfluss und entscheiden über Erfolg oder Misserfolg bei der Sommerfischerei.

  • Die „richtigen“ Wetterbedingungen
  • Der Betrieb am / um das Gewässer
  • Der Angeldruck
  • Die eigene Motivation bzw. die Zielsetzung
  • Eine durchdachte und an die Gegebenheiten angepasste Futterstrategie

Mythos Sommerloch – Einfluss des Wetters auf den Erfolg beim Karpfenangeln

Aber was genau bedeuten all diese Einfluss Faktoten und Umstände nun für den ambitionierten Karpfenangler? Mit diesem Bericht möchte ich nicht nur meine Erfahrungen schildern, sondern auch versuchen eine objektive Betrachtung des Mythos Sommerloch mit euch zu teilen.
Beginnen wir beim Lieblingsthema der Boulevard-Presse, dem Wetter in Zeiten des Klimawandels und versuchen wir daraus Schlüsse, im Hinblick auf das Verhalten, unserer Zielfische zu ziehen. Es steht wohl außer Zweifel, dass das Fressverhalten der Karpfen maßgeblich vom Wetter beeinflusst wird. Oder andersrum formuliert, dass der Karpfen sein Fressverhalten in Abhängigkeit von Temperaturen, Luftdruck, Tageszeit, Mondphase usw. entsprechend seiner Bedürfnisse anpasst. Das gilt nicht nur für die Sommermonate, sondern für alle 4 Jahreszeiten. Die wetterbedingten „Trigger“, die positiv oder negativ auf das Fressverhalten von Karpfen wirken, unterscheiden sich nach meinen Erfahrungen in Anhängigkeit der Jahreszeit jedoch erheblich. Diese Unterschiede sind für unsere Herangehensweise ein enorm wichtiger Faktor. Karpfen sind wechselwarme Tiere, sie können also ihre Körpertemperatur nicht eigenständig konstant halten. Ihre Körpertemperatur wird maßgeblich von dem Medium, welches sie umgibt, beeinflusst und ihr Stoffwechsel schwingt entsprechend mit.

Somit fühlen sich Karpfen bei Wassertemperatur zwischen 17 und 23°C am wohlsten. Bei diesen Temperaturen ist ihr Stoffwechsel richtig in Schwung, die Fische bewegen sich viel und suchen aktiv nach Nahrung. Bei anhaltend hohen Wassertemperaturen, wenig Niederschlag und kaum Wind, sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser und das ist nicht optimal für den Fangerfolg. Der Energiebedarf der Fische wird sich bei konstant hohen Temperaturen drastisch verringern und die Nahrungsaufnahme kann sich auf sehr kurze Zeitfenster reduzieren. Doch genau diese Situation finden wir im Sommer häufig vor. Oft ist es schon über Tage brütend heiß und ausgerechnet jetzt steht ein schon längst überfälliges Angelwochenende an. Mir reicht dann häufig ein Blick in meine Wetter App und ich beginne das geplante Vorhaben in Frage zu stellen. Die Tagestemperaturen deutlich über 30 Grad, keine Bewölkung, brutal hoher oder steigender Luftdruck, kein Lüftchen und nicht mal ein Gewitter oder gar ein Wetterumschwung ist in Sicht. Doch dann, einen Tag bevor die Session naht, kommt eine Wetterwarnung und zu unserem Glück bringt der Sommer auch reichlich Wetterkapriolen wie Gewitter, Sturm, Regen, Abkühlung, Winde und damit einhergehende Luftdruckänderungen mit sich. Die Wetterumschwünge und eine vorausschauende Gewässerwahl sind Teil meines Weges aus dem wetterbedingten Sommerloch und der erste Meilenstein zum Fangerfolg.

Zwischen Urlaubsfeeling, Angeldruck und der Frage nach dem richtigen Gewässer für Tropennächte

Das Worst-Case Szenario, das ich mir im Hochsommer ausmalen kann, beinhaltet neben viel zu „gutem“ Wetter, auch den Trubel durch unzählige Wasserbegeisterte, die das „kühle“ Nass genießen wollen. Unsere Marker und straff gespannten Schnüre wirken wie ein Magnet auf die badewütigen Sommertouristen, die Jahr für Jahr die schönste Badeseen Österreichs heimsuchen. Ich behaupte immer, dass es früher die Jungs vom Ruderverein waren, die uns das anglerische Leben etwas erschwerten. Heute traue ich mich deutlich mehr Freizeitsportler aufzuzählen, die aus anglerischer Perspektive völlig sinnlos am See umher paddeln. Aus meiner Sicht ist daher im Sommer besonders an öffentlichen Gewässern mit Badebetrieb und Bootsverkehr einfach zu viel Betrieb, um an ein entspanntes Angeln vom Ufer zu denken. Dazu kommt noch der recht hohe Angeldruck, denn paradoxerweise laufen zu keiner anderen Jahreszeit so viele Schnüre durchs Wasser. Würde ich mich nur auf dieses Szenario fokussieren und hätte ich aus den vielen konfliktbehafteten Situationen meiner anglerischen Vergangenheit nichts gelernt, dann würde ich behaupten, dass das Sommerloch ohne jeglichen Zweifel real existent ist.
Aber ich habe gelernt zu Teilen und ich bin heute auch der Meinung, dass nicht jeder Tag ein Fang-Tag sein muss. Nicht selten gehe ich im Sommer mit einer völlig anderen Motivation an die Sache ran. Ich kombiniere einfach den Tag mit Baden, ermögliche meinen beiden Jungs ein unvergessliches Angelabenteuer, oder ich packe einen Freund ein, starte eine Angelnacht mit einem Glas Weißwein und einem leckeren Abendessen. Wenn dann in den späten Nachtstunden oder am frühen Morgen doch ein Fisch abläuft, freue ich mich umso mehr. Die restliche Zeit genieße ich in der Natur und lasse einfach mal die Seele baumeln. Wem das zu langweilig ist, der kann an vielen Gewässern auch effizient Stalken und dabei mit wenig zeitlichem Aufwand echte Traumfiche fangen. Wer sich vor Sonnenaufgang mir einer erfolgreichen Stalking Runde belohnt, während andere Angler noch in ihren grünen Behausungen schnarchen, hat alles richtig gemacht.

An der Stelle möchte ich auch auf die entsprechende Gewässerwahl eingehen. Ich kann zwar für die ein oder andere Session den „Huntermode“, wie ihn meine Frau immer beschreibt, runterfahren. Irgendwann packt mich dann wieder der Ehrgeiz und ich beziehe die Gewässerwahl in die Planung meiner Sessions mit ein.
Dabei sind stehende Gewässer, mit geringer Tiefe nicht meine erste Wahl. Die Fische werden hier bei hochsommerlichen Bedingungen ein gänzlich anderes Verhalten an den Tag legen, wie beispielsweise in einem großen und tiefen Voralpensee. In flachen Baggerseen oder auch an vielen Paylakes stehen die Fische oft lethargisch an der Oberfläche herum und bewegen sich tagsüber sehr wenig. Das bedeutet noch lange nicht, dass diese unfangbar sind. Gibt es schattige Plätze durch überhängende Bäume oder große Kraut- bzw. Seerosenfelder, werden die Fische dort zu finden sein. Sind sie erst mal gefunden, geht es nur mehr darum, das richtige Futter und die richtigen Köder einzusetzen

In den größeren und tieferen Gewässern entfliehen die Fische auch häufig den sauerstoffarmen Bereichen und sind für uns deutlich schwerer zu finden. Hierbei hilft werde eine Drohne, das Aquascope, noch die Polaroid-Brille und wir müssen auf technische Hilfsmittel wie Echolot und Unterwasserkamera zurückgreifen. Besonders an großen stehenden Gewässern bei besonders heißen Temperaturen ganze See Teile wie ausgestorben. Auch an solchen Gewässern ist das Aufspüren der Fische, der halbe Weg zum Fang. Die andere Hälfte schreibe ich auch hier der Futtertaktik und der Köderwahl zu. Durch die gezielte Gewässer- und Spotwahl versuche ich bereits im Vorfeld meine Fangchancen zu erhöhen und das funktioniert zumeist auch ganz gut.

Futtertaktik und Köderwahl – Futter ist zweifellos Macht, aber bitte Einsatz mit Bedacht

Wie bereits vor wenigen Zeilen erwähnt ist ein entscheidender Faktor, der über Fangerfolg oder Misserfolg im Sommer entscheidet, die Wahl des Futters und der Köder.
Um die Frage zu beantworten, warum eine Anpassung des Futters über die Jahreszeiten hinweg absolut Sinn macht, müssen wir uns wieder der Gewässerökologie und der Fischbiologie zuwenden. Bereits zu Beginn dieses Artikels habe ich erwähnt, dass Karpfen wechselwarme Tiere sind. Somit variieren Stoffwechsel und Nahrungsaufnahme von Karpfen je nach Jahreszeit und Wassertemperatur. Bei steigenden Wassertemperaturen wird der Stoffwechsel der Karpfen aktiver, wodurch sie deutlich mehr Nahrung aufnehmen. Das merken wir Angler gegen End des Frühjahrs, wenn es auf die Laichzeit zugeht oder auch kurz nach der Laichzeit bzw. bei wetterbedingten Unterbrechungen des Laichgeschäftes. In diesen Phasen laden unsere Zielfische ihre Energietanks auf und es kann schon mal vorkommen, dass mein Futtereimer, der bis zum Rand mit NutraZym oder Liver Amino Extreme Boilies gefüllt war, nach einer einzelnen Angelnacht restlos leer ist.

Je weiter die Temperaturen ansteigen, desto größer wird in der Regel auch das natürliche Nahrungsangebot. In den Sommermonaten kann in den meisten Gewässern mit einem Nahrungsüberfluss gerechnet werden. Der Großteil der natürlichen Nahrung wie Zuckmücken Larven, Muscheln, Schnecken und andere Kleinstlebewesen decken den größten Teil des Proteinbedarf der Karpfen ab. Wer jetzt getreu dem Motto „Futter ist Macht“ vorgeht und raue Mengen stark proteinhaltigen Futters in das Gewässer einbringt, riskiert bei moderatem Fischbestand, eine Übersättigung der Fische. Diese Erfahrung haben sicher schon viele von uns gemacht, doch nicht alle ziehen daraus die richtigen Schlüsse. Wer bei länger anhaltenden Hitzephasen stur die grobe Futterkelle schwingt, ist am Ende selbst Auslöser für das Sommerloch, in dem er sich dann befindet. Daher empfehle ich in solchen Phasen Kohlehydrat lastige und für den Karpfen leicht verdauliche Boilies. Die Futtermenge passe ich stets an die aktuellen Bedingungen an, dabei achte ich deutlich stärker auf die Qualität des Futters. Damit meine ich nicht nur die qualitative Hochwertigkeit der Boilies, die sich über die komplette Range der Baitfabrik wie ein roter Faden durchzieht, sondern damit meine ich auch die Konsistenz, die Resistenz, die Größe und die Form des eingebrachten Futters. Über diese Faktoren versuche ich auch eine selektive und ökologisch vertretbare Fischerei zu betreiben. Über das Thema ökologisch vertretbare Futtermitteleinträge könnte ich womöglich ein ganzes Buch schreiben. Wichtig an der Stelle ist es mir die Erkenntnis zu erwähnen, dass gefressenes und somit verstoffwechseltes Futter keine wesentliche Rolle bei der Schadstoffbelastung eines größeren Gewässers darstellt. Ob nun Boilies verstoffwechselt und ausgeschieden werden oder natürliche Nahrung, macht für mich keinen Unterschied. Das versuche ich besonders bei der Sommerangelei zu beachten und ich kontrolliere meine Futterplätze regelmäßig mit der Unterwasserkamera. Dieses Hilfsmittel ist für mich nicht mehr wegzudenken, denn besonders wenn ich selektiv vorgehe und gezielt wenige aber große und resistente Boilies einbringe, möchte ich wissen, ob diese gefressen wurden.

Für diese selektive Methode eignen sich unsere Zcopex ZymActive und WC20 Boilies in einer Kombination mit Ciric Milk, NutraZym oder BCX Foodconcept Boilies in den Größen 20-28mm hervorragend. Durch diese Vorgehensweise lässt sich an meinem Stammgewässer ein klarer Trend erkennen und der zeigt mir, dass ich mit dieser Futtertaktik die deutlich größeren Fische ans Band bekomme. Als Hakenköder setze ich hierzu vorwiegend auf ausbalancierte Steel Hookers, Wafter oder die bewährte Snowman Präsentation. Wenn ich eine höhere Bissfrequenz provozieren will, stelle ich auf kleinere und weichere Boilies um, oder halbiere 20 und 24mm Boilies. Es werden also deutlich mehr Köder auf der gleichen Fläche verteilt und die Attraktoren werden schneller freigesetzt. Immer auf Vorrat für solche Aktionen habe ich die Corn Balls in 24mm aus der Foodbase Range und die Zcopex ZymActive Boilies. Nicht selten verfallen die Fische auf einem so präparierten Futterplatz in eine regelrechten Fressrausch und ich verbringe die Nacht auf meinem Kajütboot ziemlich schlaflos. In solchen Nächten rückt die Existenz des Sommerlochs für mich in weite Ferne.

Das Sommerloch – Realität oder doch nur ein Mythos?
Mein Fazit!

Gibt es nun tatsächlich so etwas wie ein Sommerloch beim Karpfenangeln? Die Antwort darauf kann aus meiner Sicht nicht einfach „JA“ oder „NEIN“ lauten. Die Sache mit dem Sommerloch ist so komplex und vielfältig, wie das Karpfenangeln selbst. Meine Erfahrungen veranlassen mich zu behaupten, dass die hochsommerliche Flaute keine unveränderbare Realität ist. Sondern vielmehr eine Herausforderung, die uns Angler dazu zwingt auf schwierige Bedingungen zu reagieren, flexibel zu bleiben und unsere Strategien immer wieder anzupassen. Mit der richtigen Vorbereitung, einer durchdachten Gewässerwahl, cleverer Futterstrategie und frischem, qualitativ hochwertigem Futter lässt sich auch in den heißesten Monaten der gewünschte Erfolg erzielen. Was den Erfolg eines einzelnen Karpfenanglers ausmacht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich kann es auch ein anglerischer Erfolg sein, wenn ich nach einem satten „Blank“ neue Erfahrungen gesammelt habe oder eine längst überfällige gemeinsame Session doch noch in entspannter Atmosphäre über die Bühne geht.
Am Ende bleibt in Hinblick auf das Sommerloch eines sicher. Der Sommer ist eine Zeit der Gegensätze. Wetterbedingt wie auch aus anglerischer Sicht kann uns der Sommer schwer enttäuschen, aber auch unvergessliche Erlebnisse bescheren. Genau das macht ihn, trotz aller Herausforderungen und Annehmlichkeiten, zu einer der „ent“-spannendsten Phasen des Angeljahres.

Ich hoffe, dass ich euch auf meinem Weg aus dem Sommerloch ein Stück weit mitnehmen konnte und ihr den oder anderen Anreiz findet, den ihr auch in eurer Angelei zur Anwendung bringen könnt

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg für den restlichen Sommer 2025.

Tight Lines, Oliver!

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