Der Karpfenangler auf hoher See

Das erfolgreiche Bootsangeln an den großen Gewässern Europas – Teil 1

Als ich vor vielen, vielen Jahren anfing gezielt auf Karpfen zu Angeln war diese Art und Form den Fischen nachzustellen undenkbar – das Angeln auf Karpfen vom Boot aus!

Mittlerweile ist schon wieder fast das halbe Jahr 2022 Geschichte, Corona vergessen und in Europa tobt der Krieg. Wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, lesen sich die Zeilen wie aus einem schlechten Science-Fiction Film und doch bin ich dankbar wieder einen Rückzugsort zu haben, wo man vermeintlich seine Ruhe hat.
Aber, alles der Reihe nach.

Die Bootsangelei auf Karpfen ist nicht komplett neu, ich habe sie aber vor einigen Jahren für mich neu entdeckt, mittlerweile durch viele Modifikationen für mich personalisiert und vor allem perfektioniert, denn bei dieser Art der Fischerei muss die Hardware definitiv passen und absolut verlässlich sein.

War ich doch früher immer wieder mal mit der Liege auf GFK Booten über Nacht zum Angeln und man erreichte die Winkel der Gewässer, die einem als Uferangler verborgen blieben. Spaß machte diese Angelei aber nicht wirklich, aber getrieben von der Gier Fische zu fangen, nimmt man ja viele Dinge in Kauf und die Bereitschaft wächst auch mit dem unersättlichen Drang erfolgreich zu sein, auf vieles Angenehmes zu verzichten. Mit mal mehr oder weniger Erfolg verbrachte ich Nächte und Wochenende unter eine billigen zwei Meter Schirm auf dem Kahn, den Mücken hilflos ausgesetzt, und gab mein Bestes vermeintlich die Fische zu fangen, die man vom Ufer aus nicht erreichte.
Mit dem Älter werden, geriet aber diese Fischerei für mich immer mehr in Hintergrund, denn ich hatte keinen Bock mehr von den ganzen Viechern zerfressen und zerstochen am Sonntag dann endlich die Heimreise anzutreten. Und, so kam das wie das Kommen musste – nach drei Jahren Ende der 90`iger war für mich Schluss und das Bootsangeln rückte komplett aus meinem Fokus.

Ich denke es war 2018 im zeitigen Frühjahr auf der Hausmesse bei einem unserer Kunden der Bait Fabrik, wo ich das erste Mal das 420 Boot vollständig aufgebaut von der Fa. Fox in Natura besichtigen konnte und ich war hellauf begeistert. Will ich wieder vom Boot aus auf Karpfen angeln – ja, absolut – ist das Ding geil. Bisher ein absolut gehütetes Geheimnis der Fa. Fox und Scherf Andi bereitete die persönliche Vorstellung des Bootes mir gegenüber sichtlich genau so viel Freude wie mir das Zuhören.
Es dauerte auch nicht all zu lang bis so ein Teil von der Fa. Fox International bei uns angeliefert wurde und natürlich wurde das Teil sofort ausgepackt, aufgebaut und an Ort uns Stelle die wildesten Pläne geschmiedet. Und unter dem Schmieden wurde mir klar, dass ich aktuell gar nicht weiß an welchen Gewässern ich überhaupt angeln konnte und vor allem auch wollte. Der Karpfenangler lebt, wie jeder weiß, auch von seinen Träumen, von der Vorstellung und wilden Illusionen an den entlegensten und abenteuerlichsten Gewässern Europas zu Angeln, um sich immer wieder neu erfinden zu können.

Die Recherche nach Gewässern brachte mich in einem Zustand, der mich fast dazu trieb, das Boot wieder zu verkaufen, denn die Welt ist mittlerweile geprägt von Verboten und Beschränkungen, so dass ich kein Gewässer gefunden habe, um dieses Projekt zu realisieren. Und jedes Mal Angeln hunderte Kilometer mit dem Trailer zu gurken konnte auch nicht die Lösung sein und siehe da ein geistiger Erguss. Ich war bis Ende 2000 viel Raubfischangeln und kannte das bayrisch/österreichische Voralpenland mit seinen Gewässern sehr gut und hier wurde ich auch fündig. Man hat ja auch Ansprüche und so landete ich an einem 4oo ha See, wo man so gut wie keine Informationen zum Bestand hat und auch sonst herrscht an dem Gewässer informative Totenstille. Klar weiß man das hier Karpfen schwimmen, aber wo fängt man an. Egal – Vereinseintritt, um die Jahreskarte zu bekommen, die Jahreslizenz organisieren, Slipstelle am See suchen usw. All die Dinge nahmen noch relativ viel Zeit in Anspruch aber der 01.01.2019 rückte näher und ich hatte meine Hausaufgaben erfolgreich erledigt und endlich konnte ich samt all den Gerödel Richtung See aufbrechen.

Ich weiß nicht wie viele von euch so irre sind am Neujahrstag bei fetten Minusgrade am Fuße der Alpen über mehrere Tage auf dem See vom Boot aus zu angeln. Bescheuert, oder!
Ich konnte es aber nicht mehr erwarten bis endlich wieder vom Boot aus angeln konnte und meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen.
01.01.20219, weit und breit kein Angler am See und ich mit meinen zwei Booten auf dem Wasser verankert und fische auf Karpfen, man wie habe ich den ersten Tag gefeiert. Aber nur bis zur ersten Nacht, denn irgendwann in den Morgenstunden wurde ich wach, nicht geweckt durch einen Bissanzeiger, nein durch grimmige Kälte die nachts über den See zog, meine Gasflasche der Zeltheizung zum frosten brachte und sogar dafür sorgte, dass sich innen im Zelt noch Reif ansetzte. Allein der 5 Season Schlafsack sorgte noch für etwas Wärme am Körper und bewahrte mich vor einer winterlichen Volleskalation. Der Rest der Nacht verlief so gut wie ohne Schlaf, denn wie ich mir in Gedanken schon ausmalte, hatte sich auf dem See auch am Rand Eis gebildet und die nächtlichen Prognosen lagen weiterhin im zweistelligen Minusbereich. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie ich den Sonnenaufgang am nächsten Morgen gefeiert habe, Kaiserwetter und nicht eine Wolke am Himmel waren für mich wie Lebenselixier und die frostige Nacht war schon vergessen. Das Boot Richtung Osten ausgerichtet und die aufgehende Sonne sorgte für die nötige Wärme, um die Gasflasche von Eis zu befreien und vor allem meine Kadaver wieder in Schwung bringen. Das unglaublich geile, ich saß in den frühen Nachmittagsstunden mit T-Shirt auf dem windstillen Boot begleitet von einer absoluten Windstille und die Sonne reflektierte von der Wasseroderfläche tief in das Zelt.

Trotz der widrigen Bedingung und fast maximaler Aussichtslosigkeit war ich fleißig bei der Spotsuche, dem Ablegen der Ruten und beim Schmieden von Taktiken, um doch noch einen Fisch zu bekommen. All diese Mühen halfen aber nichts, um den schon vor Abfahrt programmierten Blank abzuwenden. Spielte aber auch keine Rolle, denn für mich war der Trip eine Erfahrung, die mich dermaßen glücklich machte, alte Erinnerung hervorrief und der Grundstein für meine alte, neue Bootsangelei war. 5 Tage bzw. 4 Nächte zog ich mir das Anfang Januar rein und meine Liebste zu Hause bestätigte mir bei jedem sorgenvollen Anruf auf das Neue, dass ich einen an der Klatsche hatte und, ich musste ihr sogar zustimmen, denn für solche Aktionen muss man einfach verrückt sein – ihr kennt das ja. Ich genoss die folgenden Tage mit strahlender Sonne und einem spiegelglatten See vor mir mit absoluter Windstille, die so oft bei kalten Wintertagen herrscht.
Drei Ruten zur Verfügung versuchte alle für mich interessante Wassertiefen zu befischen. PVA Bags, Groundbait, Powder – Dips, nichts war so attraktiv, um einen Fisch zu animieren den Hakenköder aufzunehmen. Der Bereich, in dem ich ankerte, war für mich von seiner Art her denklich gut für die Winterangelei, aber keine Spur der Viecher. Standen sie doch in den tiefen Bereichen? Ich konnte mir das aber nicht vorstellen, dass die Fische wirklich auf weit unter 20 m stehen und versuchen der kalten Jahreszeit zu entfliehen. Am dritten Tag dann endlich der ersehnte Ton einem der Bissanzeiger und der Swinger schwappte auf und ab. Rute aufgenommen, rein das Beiboot und schön über den Fisch zum Drillen – wie man das eben so macht. Und was war: eine Brachse. Aber so ein kapitales Teil, unfassbar. Schön versorgt das Ding und wieder zurück ins Wasser verschwand diese wieder in den Tiefen und für mich blieb das auch der einzige Fischkontakt bei der Session.
Ein eisig kalter Wind begleitete mich auf der Rückfahrt zur Slippe und die klirrende Kälte im Gesicht hat mich derartig geprägt, dass mir der Trip immer in Erinnerung bleiben wird.
Endlos geil und absolut geflasht von den letzten Tagen auf dem neuen Boot war die doch etwas längere Heimreise ruck zuck vorbei und neben dem Fahren gingen mir viele Dinge der Modifikation durch den Kopf, denn perfekt war das Equipment noch nicht und man möchte ja doch bestens ausgestattet auf dem Wasser unterwegs sein.
Zelt, Tailer, Rod Pod usw. all das waren Dinge die noch Aufmerksamkeit brauchten um langfristig vernünftig vom Boot aus Angeln zu können.

Just in dem Moment, Juni 2022 beim Schreiben dieser Zeilen auf dem Notebook sitze ich auf dem Boot, rechts von mir die Alpen im Blickwinkel, 28 Grad mit leichtem Wind und begleitet von dem Gefühl alles richtig gemacht zu haben, zieht über Westen ein Gewitter auf, schwer und ergiebig soll der Niederschlag laut Vorcast sein, begleitet von Sturmböen. Ich hoffe das Gewitter hält sich in Grenzen, aber am Ufer blinken die hohen Warnleuchten der Sturmwarnung bereits seit 15 Minuten und auf dem Wasser ist kein Boot mehr zu sehen. All, das sind Momente bei der Bootsangelei, die einen zum Nachdenken bringen, ob man hier eventuell sein Leben auf Spiel setzt. Ich denke das tue ich nicht, weil ich entsprechend vorsichtig und mit Weitblick am Wasser agiere – unterschätzen braucht man allerdings die Gewitter in den Bergen nie. Ich habe alles gesichert und mittlerweile schaukelt die ganze Bude, dass mir schlecht wird und der erste Teil 1 meiner Story kommt hier zu Ende.

Im nächsten Teil werde ich euch von der ersten „warmen“ Session erzählen. Berichten wie ich das Gewitter überstanden habe und warum ich auch an so großen Gewässern regelmäßig Fische jenseits der 20 kg Marke fange.
Über Taktiken und Vorgehensweisen an so großen Seen, welches Futter unbedingt an Board sein muss und wie man die produktiven Spots an den ultratiefen Gebirgsseen findet. Warum vom Ringfinger der rechten Hand die komplette Fingerkuppe fehlt und wie schon ein weiteres Projekt der Bootsangelei mit fast 5000 ha Form annimmt.

In diesem Sinne ………

Liebe Grüße vom Boot

Tom

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